Team77 feiert starkes Debüt beim 24-Stunden-Rennen von Barcelona
Mit dem 24-Stunden-Rennen in Barcelona stand für unser kleines privates Team77 das größte Projekt unserer bisherigen Motorsportlaufbahn an. Es war unser erstes 24-Stunden-Rennen – und damit eine Herausforderung, die uns schon Monate vor dem eigentlichen Rennwochenende begleitet hat. Dass wir uns am Ende in einem Starterfeld von über 40 Teams behaupten konnten, macht das Ergebnis umso besonderer.
Bereits im Vorfeld investierten wir unzählige Stunden in den kompletten Neuaufbau unserer Kawasaki ZX-10RR nach dem EWC-Reglement. Das Motorrad auf dieses Niveau zu bringen, bedeutete enorm viel Arbeit, Detailverliebtheit und Einsatz. Umso größer war die Vorfreude, als es eine Woche vor dem Rennen endlich losging. Bereits am Sonntag machten wir uns auf den Weg nach Barcelona. Nach einem entspannten Tag am Strand am Montag ging es am Dienstagmorgen erstmals an die Rennstrecke, wo wir unsere Box bezogen und das Fahrerlager erkundeten.
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der letzten Vorbereitungen. Der Trainingsmotor wurde eingebaut, alle Systeme nochmals überprüft und das Motorrad für die anstehenden Tage vorbereitet. Am Donnerstagvormittag folgte die technische Abnahme – ein wichtiger Meilenstein, den wir ohne Beanstandungen meisterten.
Am Donnerstagabend wurde es dann endlich ernst. Im ersten freien Training mussten sich alle vier Fahrer Martin Köhler, Till Belczykowski, Gido Nittke und ich zunächst an die uns völlig unbekannte Strecke gewöhnen. Leider endete mein erster Turn bereits nach wenigen Runden, da unser Kühler beschädigt wurde und wir das Training vorzeitig abbrechen mussten. Doch genau in solchen Momenten zeigte sich die Stärke unseres Teams. Die Crew arbeitete mit vollem Einsatz und schaffte es tatsächlich, das Motorrad rechtzeitig für das nächste Training wieder einsatzbereit zu machen.
Um 22:30 Uhr begann schließlich das Nachttraining für uns alle eine Premiere. Das erste Mal im Dunkeln auf einer Rennstrecke unterwegs zu sein, war ein unglaubliches Erlebnis. Die Atmosphäre, die Lichtverhältnisse und das Gefühl auf dem Motorrad machten diesen Turn zu einem absoluten Highlight. Für mich stand sofort fest: Nachtfahren ist genau mein Ding.
Am Freitag wurde der Rennmotor eingebaut und anschließend standen die Qualifyings an. Jeder Fahrer absolvierte einen 30-minütigen Turn. Ich durfte als Erster auf die Strecke gehen und konnte meine Session auf einem hervorragenden 7. Gesamtrang sowie Platz 3 in der EWC-Klasse beenden. Für die Startaufstellung wurde anschließend die schnellste Runde jedes Fahrers addiert und daraus eine Durchschnittszeit berechnet. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Startplatz 6 gesamt und Platz 3 in der EWC-Klasse. Ein Ergebnis, mit dem wir als Debütanten mehr als zufrieden waren.
Nach einer letzten Nacht mit möglichst viel Schlaf war es am Samstag endlich soweit: Renntag.
Da ich unsere schnellste Qualifying-Zeit gefahren war, durfte ich den Start übernehmen. Die Minuten vor dem Start waren einfach unbeschreiblich. Die volle Startaufstellung, die vielen Menschen und die besondere Atmosphäre eines 24-Stunden-Rennens sorgten für Gänsehaut, ein Moment, den ich nie vergessen werde.
Der Start selbst verlief zunächst nicht optimal. Von Startplatz sechs fiel ich zunächst bis auf Rang 14 zurück. Nach einigen Runden fand ich jedoch meinen Rhythmus, arbeitete mich Position um Position wieder nach vorne und übergab das Motorrad nach meinem ersten Stint wieder auf Gesamtrang sechs.
Schon früh im Rennen sorgte ein defektes Anlasserrelais für den ersten ungeplanten Boxenstopp. Doch erneut zeigte unser Team seine Stärke und behob den Defekt in kürzester Zeit. Nach rund neun Rennstunden verabschiedete sich dann unser Auspuff. Auch diese Reparatur erledigte die Crew beeindruckend schnell, sodass wir kaum Zeit verloren.
Die Nacht verlief anschließend nahezu perfekt. Alle Fahrer lieferten konstante Leistungen ab, wir blieben fehlerfrei und konnten unser Tempo kontinuierlich halten.
Etwa zwei Stunden vor Rennende folgte dann der letzte Rückschlag. Während meines finalen Stints riss erneut der Auspuff und wir mussten ein weiteres Mal ungeplant an die Box. Dadurch verloren wir leider den vierten Gesamtrang. Doch auch diesmal reagierte unser Team blitzschnell und brachte die Kawasaki wieder auf die Strecke.
Nach 24 intensiven Stunden überquerten wir schließlich die Ziellinie auf einem sensationellen 5. Gesamtrang und Platz 3 in der EWC-Klasse. In einem Teilnehmerfeld mit über 40 Teams ist dieses Ergebnis für unser Debüt weit mehr, als wir uns jemals erträumt hätten.
Für ein kleines privates Team ist dieser Erfolg etwas ganz Besonderes und der verdiente Lohn für die unzähligen Arbeitsstunden, die jeder Einzelne investiert hat.
Ein riesiges Dankeschön geht an unser gesamtes Team, das während der gesamten Woche und besonders im Rennen einen unglaublichen Job gemacht hat. Ebenso bedanken wir uns bei allen Sponsoren, Partnern, Freunden und Unterstützern. Ohne euch wäre dieses Abenteuer und dieser Erfolg nicht möglich gewesen.






